henk_in_koeln

abenteuer fernsehen
 

Meta





 

Fotos!

Es ist fast geschafft.

Rumfahren, Aufnahmen machen, zurück fahren. Macht auch keinen Spaß mehr.

Hier noch ein paar Eindrücke der letzten Monate:

Farbkorrektur:

 

Aufnahmen in der Garage: (Buchkritik eines Vampir-Romans)

 

 

Lana, das böse Monster:

 

 Innovative Lichtaufhängung:

 

Tonassistent Mark bei der Arbeit:

 

Das großartige qPSNR-Gerät:

 

Aufnahmen für den jährlichen "Schmiert euch immer gut mit Sonnencreme ein und bleibt nicht zu lang in der Sonne"-Beitrag:

 

 

1 Kommentar 14.7.10 11:17, kommentieren

Woche 17 - Endlich alles gut.

In der vorvorvorletzten Woche meines Praktikums geht es nun endlich richtig los:

Montag. Erster Eindruck: positiv - Dienstbeginn ist erst um 9. Treffen im dritten Untergeschoss, dem Kamera-Keller, in dem fast das gesamte Equipment des WDR abholbereit gelagert wird. Da treten erste Probleme auf: Um mit dem Fahrstuhl in den Keller fahren zu dürfen, braucht man eine Chipkarte, die ich leider noch nicht habe. Kein Problem, ich frage einfach jemanden, ob er mich runterlässt. Unten angekommen treffe ich Jana, auch eine Praktikantin, die schon einige Wochen in der Abteilung ist. Sie verrät mir sofort: Wenn auf dem Plan 9 Uhr steht, kommen die Leute frühestens um viertel nach 9. Darauf kann ich mich einstellen. Ich plaudere also ein wenig mit Jana und warte währenddessen auf Martin, den Kameramann. Jana sagt: "Ach, der Martin. Da hast du Glück, das ist ein netter." Ich stutze. Sollte es so sein, dass auch nicht nette dabei sind? Dass sogar die netten rar gesät sind?

20 nach 9. Martin kommt an, wirklich ein netter. Ich stelle mich vor und wir warten noch auf Günter, den Techniker. Es läuft nämlich immer so: Ein Kameramann, ein Techniker (der hauptsächlich für den Ton verantwortlich ist) und der Autor (der auch nachher im Schnitt dabei sitzen wird) fahren zum vereinbarten Drehort, irgendwo in NRW und drehen alle nötigen Szenen, die der Autor vorgibt. Heute geht es nach: Köln. Wir beladen den weißen Ford mit WDR-Logo mit der Ausrüstung: Kamera, Stativ, Scheinwerfer, Scheinwerferstative, Akkus, Discs zum Draufaufnehmen, das SQN-Gerät für den Ton, 2 Funk-Ansteck-Mikrofone, Ton-Angel mit Mikrofon und sonstiger Kleinkram.

Der Dreh ist sehr angenehm. Wir treffen die Autorin am Drehort, einem kleinen Büdchen. Sie hat unsere "Schauspielerin" dabei, eine Schülerin, Jessica. Der Beitrag handelt von diesen asiatischen YumYum-Tütensuppen. Es ist unter 14- bis 18-jährigen nämlich momentan total in, diese trockenen Nüdelchen mit dem beiliegenden Gewürz als Snack zu verspeisen. Wir drehen einige Einstellungen. Jessica kommt ins Büdchen rein von außen, von innen, von weit weg, von nah, nur die Beine, durch die Schaufensterscheibe. Sie kauft das Tütchen, Großaufnahme Tütchen, Großaufnahme Geldübergabe. Sie geht wieder heraus, auch aus allen möglichen Perspektiven, um hinterher alles schön zusammenzuschneiden. Günter, etwa Ende 30, angelt den Ton. Günter ist übrigens Hape Kerkeling. Nicht nur klein, dick und schwul. Auch der Humor ist sehr ähnlich. Er macht die ganze Zeit kleine Witzchen in verschiedenen Dialekten. "Guckst du", sagt er und zeigt mir den Mischer. "Da muss Pegel drüber, hier muss Pegel drunter!" und er hängt mir die dicke Tasche mit dem Gerät um, drückt mir die Angel in die Hand und setzt mir den Kopfhörer auf. Wir drehen jetzt wie Jessica einen Burgerking-Burger isst. Ich achte drauf, dass man jeden Schmatzer hören kann.

13 Uhr. Feierabend. Was?! Tatsächlich: Wir haben alle Einstellungen, die wir brauchen.

Am Abend rufe ich im WDR an, um meine Einsatzzeit für den nächsten Tag zu erfahren. 9:30. Perfekt!

Dienstag. Morgenmagazin: Kinotipp. Ich fahre wieder mit Martin und diesmal mit Andreas als Techniker zu einem süßen kleinen Kino in der südlichen Innenstadt von Köln. Wir treffen dort auf die beiden Autoren, junge Leute, quirlig, humorvoll. Die ganze Zeit über werden kleine lustige Gemeinheiten ausgetauscht. Wir bauen ein paar Lampen im kleinen Kinosaal auf. Keylight, Aufheller, Spitze. Dazu noch ein bisschen Effektlicht über die Kinositze. Die Autorin spricht drei oder vier Sätze in die Kamera, Fazite zu zwei Filmen, die sie gesehen und kritisiert hat. Schon fertig. Für das dritte Fazit gehen wir hoch in den Vorführraum, beleuchten wieder, lassen den Vorführer die Filmrollen drehen, damit sich im Hintergrund was bewegt. Sie spricht wieder drei Sätze ein. Fertig. Abbauen, nach Hause gehen. Es ist 14 Uhr.

Mittwoch. Es gibt noch Menschen ohne Humor. Anstrengende Menschen. Menschen, die viel reden. Kurz: Jörg.

Aber von vorne: Kameramann ist René, ein netter, leicht desinteressierter, motivationsloser Typ. Techniker ist Hakan. Ein recht einfacher Kerl, überraschenderweise ohne türkischen Akzent, überraschenderweise sehr lange Haare. Macht nen Eindruck wie ein 25jähriger, ist aber überraschenderweise schon 35. Hat eine Tochter, 5 Jahre alt, hat eine Frau, die mit seiner zweiten Tochter schwanger im Krankenhaus liegt. Davon wird er uns detailliert erzählen. Er wird uns auch die SMS vorlesen, die seine Frau ihm etwa stündlich auf sein iPhone schickt. Mit ihm quatsche ich ein bisschen und denke mir schon: Dieser Tag wird anstrengend, wenn das so weitergeht. Aber da kannte ich Jörg noch nicht.

Das Thema ist: ServiceZeit, Bauen und Wohnen, "Blei in Trinkwasserarmaturen". Autor dieses Beitrags ist Jörg, Anfang 70, studierter Chemiker und berühmt-berüchtigter Medizin-, Bio- und Wirtschafts-Action-Aufdeckungs-Journalist. Das klingt erstmal spannend. Aber wenn Jörg davon erzählt, will man nur wegrennen. Ein leichtes parkinsonsches Zittern begleitet seine gähnend langweiligen aber dafür episch langen Erzählungen und Erläuterungen. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass, wenn das Leben mit 66 Jahren noch nicht angefangen hat, es dann auch zu spät dafür ist.

Es beginnt damit, dass Jörg 20 Minuten zu spät kommt. 20 kostbare Minuten, die ich gerne anders verbracht hätte als mit Hakan zu smalltalken. Wir fahren nach Bonn, in eine Privatwohnung. Dort wohnt eine kleine Familie mit kleinen Kindern. Es soll in dem Beitrag deutlich werden, dass man das Wasser, das man zur Zubereitung von Baby-Milch benutzen will, erstmal etwas laufen lassen sollte, damit die ganzen Gifte, die sich aus den Leitungen gelöst haben nicht mit in die Nahrung kommen. Darüber beginnt Jörg bereits zu erzählen. Hakan stellt interessiert wirkende aber dumme Zwischenfragen, die Jörg ausführlich gerne beantwortet. "Und was ist mit Zink in den Leitungen?" - "Ja, draum gehts jetzt zwar gerade nicht, aber dazu kenn ich auch 500 interessante Geschichten. Ich fange mal mit der ersten an..." -.- Kleine lustig gemeinte Einwürfe verkneife ich mir bald, denn ein auflockerndes "Hehehe, Eisen ist doch eigentlich ein wichtiger Nährstoff, hehehe" quittiert Jörg knallhart mit einem humorlosen: "Nein, also die Leitungen sind ja nicht aus Eisen und die Stoffe, die da ins Wasser gelangen, sind giftig und blaaaaaaaaaaaääärgh".

Wir erreichen die riesige Albauwohnung. Das junge Ehepaar, auch beide in der Medienbranche tätig, führt uns herum. Wir bleiben in der Küche und drehen 3 kurze Einstellungen, wie Wasser aus dem Hahn in einen Topf gefüllt wird. Man könnte meinen, das geht schnell. Aber nicht mit Jörg. Er schreibt zum Beispiel genau vor, wie die Hand, die den Wasserhahn aufdreht, sich bewegen muss. Und er tut das mit einer Arroganz als wären wir alle seine unfähigen Handlanger. Wir unterbrechen die Arbeit, weil Jörg uns einen Vortrag hält, dass warmes Wasser noch wärmer wird, wenn man den Wasserhahn ein bisschen herunterdreht. Die junge Mutter dreht daraufhin den Hahn etwas zu. Jörg war das nicht genug. Er zittert hin und dreht den Hahn noch weiter zu. Das Wasser wird tatsächlich wärmer, Jörg ist ein Held. Ich mache einen Vorschlag für die nächste Einstellung, Jörg sagt dazu gereizt: "NEIN, ich will das aber so haben!" Etwa 4 arbeitsklimatisch bedenkliche Stunden später sind wir in der Wohnung fertig. René hat stumpf alles durchgefilmt, lässt sich nichts anmerken. Hakan scheint die Situation überhaupt nicht als unangenehm zu empfinden. Das Ehepaar verabschiedet uns sichtlich genervt. Als sie mir die Hand geben, setze ich meinen "Tut mir leid, wir können nichts dafür"-Blick auf.

Wir fahren für die Pause zum Italiener, einem kleinen Restaurant, das Jörg kennt und in dem er auch schon zu Studentenzeiten gerne gegessen hat. Wie ich mich darauf freue, mit diesen Gestalten Mittag zu essen. Wir erreichen das möglicherweise vornehmste italienische Restaurant Bonns und es gibt nichtmal Pizza auf der Speisekarte. Ich bestelle eine Handvoll Nudeln mit einem Klecks Soße für 16 Euro. Es schmeckt sehr gut. Jörg referiert über die Qualität des Essens und die frischen Meeresfrüchte, die über Nacht angeliefert werden. Wir kommen (wie es in einem italienischen Restaurant obligatorisch ist) auf das Thema Geldwäsche. Jörg holt aus zu einer unglaublichen Geschichte. Er hat unter falscher Identität mit einem vom WDR gemieteten und umgebauten Geldtransporter Kontakte zu Geldwäscher-Kreisen hergestellt und durch geschickte Verhandlungen tiefe Einblicke in den Ablauf dieses Milliarden-Geschäfts bekommen. Er lässt kein unwichtiges Detail aus. ER hat eine große Reportage darüber gedreht, wie leicht es ist, bei den bekanntesten deutschen Banken Geld zu waschen. ER wird nicht müde zu betonen, wie groß SEINE Rolle in dieser Geschichte war und wieviele Köpfe ER hat rollen lassen. ER wurde im Anschluss von verschiedenen Staatsanwaltschaften und sogar vom FBI angefragt, ob ER nicht für sie arbeiten wolle, weil bisher niemand so lebensnahe Ermittlungen angestellt hatte wie ER. Wäre eine sehr interessante Geschichte für den Mittagstisch, wäre sie mit etwas weniger Selbstgefälligkeit vorgetragen worden.

Auf der Fahrt vom Italiener zu Jörgs Büro, in dem wir noch eine kleine Einstellung einer Internetseite vom Bildschirm abfilmen müssen, kommen wir (wie auch immer?!) auf das Thema Acrylamid, dieser krebserregende Stoff in zu heiß gebadeten Pommes und Chips. ER hat ja damals als erster überhaupt damit angefangen darüber zu berichten und ER hatte ja das einzige Labor um die Lebensmittelproben zu testen (ER ist ja auch Chemiker) und ER ist eh der geilste und eigentlich auch beste Mensch auf dem ganzen Planeten. Es ist nicht so, dass er dummes oder falsches Zeug erzählt. Er hat wirklich eine riesige Allgemeinbildung und dazu in Biologie, Chemie, Medizin und Wirtschaft sehr sehr spezialisiertes Wissen auf aktuellstem Stand. Nur WIE er seine Geschichten verkauft, ist für mich unerträglich.

ER hat einen kleinen Roboter-Staubsauger in SEINER Bürowohnung, den ER uns eine halbe Stunde lang vorstellt (weil Hakan alles über dieses Teil wissen will). Mit welchen Algorithmen der die Wohnung abfährt, wie lange der Akku hält, wie diese Dinger entwickelt werden, wie gut sie funktionieren, dass man auch einstellen kann, nur erstmal einen Raum zu saugen und dann den Rest der Wohnung (mittels Infrarot-Schranken) und WEN INTERESSIERT DAS???

Kurz vor 6. Wir sind endlich fertig mit dem Dreh. Vor dem fluchtartigen Verlassen der Wohnung will ich noch kurz aufs Klo. Bereits vor der Tür ahne ich einen beißenden Pisse-Geruch. Ein Bild des Grauens erwartet mich: Alte klätschige Handtücher, auf allen Ablagen Staub und Fingernägel, der Duschvorhang leicht verschimmelt, ein bestialischer Gestank. Hier wurde seit Jahren nicht mehr sauber gemacht (mit Ausnahme vom regelmäßigen Saugen durch den kleinen Roboter).

ER hat ein dreckiges Badezimmer. HA!

Donnerstag. Mal wieder mit Martin und Günter (wie am ersten Tag) unterwegs. Ein Steinway-Klavier-Geschäft in Düsseldorf. Wir drehen die kitschige Geschichte einer Frau, die sich in einen Pianisten verliebt hat. Nicht im Ansatz romantisch. Beide haben sich füreinander vom ersten Ehepartner scheiden lassen. Dabei passen die überhaupt gar nicht zusammen. Das sage ich ihnen aber nicht. Sie sehen so glücklich aus. Und das noch nach 15 Jahren Ehe. Es geht außerdem um den Zyklus "Bilder einer Austellung" von Modest Mussorgsky, einem russischen Komponisten. Der Pianist spielt daraus einige Ausschnitte und stülpt dabei ganz unschön die Unterlippe komplett über die Oberlippe. Dass dieses Mauerblümchen einer Frau sich in diesen Anblick verliebt hat, können die mir nicht erzählen! Wie auch immer: Angenehmer Dreh, 13 Uhr Feierabend.

Freitag. Wieder mit Martin. Techniker ist diesmal Mark, ein netter Typ, kurze graue Haare, etwa Ende 40. Ein Dreh für "Tiere suchen ein Zuhause". Geht um einen krefelder Rentner, 72 Jahre alt, der sich fürchterlich aufregt, dass er keinen Hund mehr vom Tierheim bekommt, weil er zu alt dafür sei. Leider regt er sich nicht fürchterlich genug darüber auf. Auch sonst hat er im Interview nicht viel zu erzählen. Die Autorin verzweifelt. "Da muss ich mir was einfallen lassen, sonst wird das ein völlig substanzloser Beitrag." Sie lässt sich was einfallen: Wir gehen auf einen Feldweg in der Nähe und drehen ein zweites Interview. Sie stellt ihre Fragen intensiver und suggestiver. Aber der Rentner gibt nichts anderes von sich. Sie muss ihn auch immer wieder darauf hinweisen, die Frage mit in die Antwort aufzunehmen. Sonst antwortet er nämlich mit einem kurzen "Nein" oder "Ja, da sollte auf jeden Fall etwas passieren."

Kurz nach 2, Drehschluss. Aus dem alten haben wir nichts mehr herausgekriegt, die Autorin sieht sehr unglücklich aus. Statt zurück nach Köln, fahre ich direkt von Krefeld aus mit dem Zug nach Essen. Woche geschafft! Fazit: Viele interessante Menschen und Geschichten kennengelernt. Hier ist nicht viel Platz für Langeweile. Ich freue mich sehr auf die verbleibenden drei Wochen.

 

30.6.10 18:50, kommentieren

Wochen 10 bis 16 (von 20!)

Kurz zusammengefasst: Nicht viel passiert.

Die restlichen Wochen bei TiM sind so vor sich hingeplätschert. Hab noch ein paar Messungen gemacht, zum Glück seltener mit Annika gequatscht und ein Programm geschrieben, das nachweisen kann, ob Bilder mittels bilinearer oder bikubischer Interpolation vergrößert worden sind. Man muss dazu einfach die zweite Ableitung jeder Zeile bilden, deren Pixel addieren, den Mittelwert bilden und aus dem resultierenden Varianzsignal (das so lang ist wie das Bild hoch) die diskrete Fouriertransformation berechnen. Den Interpolationsfaktor kann man dann an den Peaks im Amplitudendiagramm erkennen. Das hat sogar einigermaßen gut funktioniert. Leider hat es nicht bei dem Problem geholfen, echtes HD von hochskaliertem SD zu unterscheiden, weil in dem Fall weder bilinear noch bikubisch interpoliert wird, sondern aufwändiger.

Noch da?

Naja, zum Abschluss hat mir der Herr Doktor angeboten, meine Bachelorarbeit in der Abteilung zu schreiben, wenn wir ein passendes Thema fänden. Das ist doch schonmal was.

Und seit Montag sitze ich nun wieder im Schnitt. Entweder "in beobachtender Funktion", wie es in meinem Praktikumsbericht heißt, oder ich digitalisiere, wechsle also einmal pro Stunde die Kassette. Toll Bilder, das Thema ist "Gefährdetes Paradies Balearen". Nur verdreckte Strände, kaputte Häuser, Golfplätze, betrunkene Touristen und schmieriges Wasser.

Und bei "Wunderschön" hab ich mal wieder zugeschaut, diesmal gehts um die wunderschönsten Orte entlang der Donau. Alte Kirchen und Klöster und so. Spannend!

Ich könnte eigentlich anfangen, die restlichen Tage zu zählen, aber ach! Ich habe mich mal wieder in einer anderen Abteilung beworben: Kamera und Ton. Die Abteilung mit der meisten Action. Kamerateams begleiten und richtig mithelfen und so. Das wird bestimmt (zumindest am Anfang) wieder spannend. Und Montag gehts schon los! Davon werde ich natürlich wieder etwas ausführlicher berichten.

1 Kommentar 17.6.10 15:16, kommentieren

Woche 9 - Läuft.

Ja, dieses tolle qPSNR-Gerät ist leider nicht so zuverlässig wie erhofft. Es misst zwar irgendwie irgendwas, aber immer anders und manchmal gar nicht und keiner weiß wie und warum. Schon gar nicht Anika, die ja leider ihre Bachelorarbeit über diese lustige Maschine schreiben muss. Die Auswahl ihrer kurzärmligen Blümchenmuster-Blusen ist also nicht das einzige, um das sie sich sorgen muss. Außerdem nervt sie. In den ersten Tagen ist es mir entgangen, aber es wird immer und immer deutlicher: Das R macht ihr Probleme. Warten wird bei ihr zu WACHten, Starten zu STACHten. Die Videosignale, mit denen wir arbeiten, heißen Transportströme. TransPOCHTströme. Man kommt also in den Raum, hört ein "Ich hab jetzt den TransPOCHTstrom geSTACHtet. Jetzt muss ich wieder WACHten, bis der FECHtig ist." und will am liebsten sofort wieder gehen. Aber man muss ihr ja auch helfen, Videodateien zur Messung vorbereiten und so Zeug. Das ist oft umständlich, weil wir mit 100 verschiedenen Programmen arbeiten, von denen jedes irgendwas nich kann. Das eine kann HD, das andere nicht, das kann dafür aber Dateien über 20 GB verarbeiten, was aber nichts bringt, wenn es kein HD kann und so. Die meiste Zeit verbringe ich also damit, auf den Kopieren-Balken zu gucken, weil ständig diese riesigen Videos auf irgendeinen anderen der 5 PCs gezogen werden müssen. Oder weil irgendwas in irgendwas anderes umgewandelt wird.

720p50, 1080i25, wer denkt sich sowas aus? Transportstrom, Programmstrom, Elementarstrom. MPEG-2, MPEG-4. Uncompressed AVI, H.264, PID, PMT, CAT, variable GoP, I- P- und B-Frames, muss ich mehr sagen?!

Technischer Buchstabensalat.

Donnerstags ist Daniel immer da. Der hat in der Abteilung auch seine Bachelorarbeit geschrieben, über so ne ähnliche Maschine, darum hilft er Anika ein bisschen. Aber dass er von ihr auch total genervt ist, versteckt er nicht gut. Mit ihm zu arbeiten ist angenehm, er ist kompetent und humorvoll und redet nicht die ganze Zeit.

Die Zeit rennt: Wir haben das qPSNR-Gerät nur zwei Wochen. Eine davon ist schon um und es hat noch keine sinnvolle Messung stattgefunden. Langsam bricht Panik aus. Wenn es nächste Woche nichts wird, sehe ich SCHWACHZ.

1 Kommentar 6.5.10 22:22, kommentieren

Woche 8 - TIM und Anika

TIM, diese drei Buchstaben stehen für Technologie- und InnovationsManagement, eine im Vergleich zum Schnitt winzige Abteilung im WDR, in die ich mich nun endlich gerettet habe. 8 Ingenieure untersuchen hier die Bild- und Tonqualität des WDR-Programms, testen neue Geräte und beurteilen innovative Produktionsformen und -wege und ihre Vor- und Nachteile. Und ich mittendrin.

Für die Qualität dieses Blogs bedeutet das leider nichts gutes. Zum einen sind alle Leute hier ganz normal: Nett, natürlich, intelligent. Keine Lästereien mehr, keine kleinen Macken, nichts unfreiwillig komisches. Abgesehen von einigen Frisuren gibts hier humormäßig nichts zu holen. Zum anderen: Womit ich mich hier beschäftige, ist trockenes Technik-Zeug. Niemanden interessiert das, nichtmal mich selbst.

Ein Beispiel: Ein besorgter WDR-Zuschauer hat die WDR-Hotline angerufen und sich beschwert, dass das WDR-Bild "irgendwie flau" ist. Das wurde direkt an unsere Abteilung weitergeleitet und wir sollen jetzt mal schauen, was denn da wirklich dran ist. Da haben wir uns erstmal gefragt, wie machen wir das? Jemand kam auf die Idee: Die Tagesschau wir auf ganz vielen Programmen ausgestrahlt. Wir nehmen die von jedem Programm einmal auf und vergleichen dann die Bildqualität mit PSNR*. Wenn der WDR wirklich schlechter aussieht als die anderen Programme, schaun wir weiter.

*PSNR: Den Peak-Signal-to-Noise-Ratio-Wert benutzt man, um messtechnisch die Bildqualität zu untersuchen. Vom original mit der Kamera aufgezeichneten bis zum ausgestrahlten Video auf den heimischen Fernsehern wird die Bildqualität durch Kompression, Codierung, Modulation, Übertragung, Störungen, Demodulation und Decodierung doch arg in Mitleidenschaft gezogen. Wenn man dieses End-Bild Pixel für Pixel mit dem Original-Bild vergleicht, entdeckt man mit etwas Glück doch noch die ein- oder andere Gemeinsamkeit. Das PSNR-Programm macht das automatisch: Es vergleicht zwei Video-Dateien Bild für Bild, Pixel für Pixel und spuckt am Ende einen Dezibel-Wert aus. 100 dB bedeutet, die zwei Videos sind völlig identisch, 0 dB bedeutet, es sind zwei gänzlich verschiedene Videos, ab einem Wert von etwa 30 dB sagt man, kann das menschliche Auge keine Unterschiede mehr entdecken. (Ich sag ja: Trockene Technik)

Der Praktikant findet heraus: Alles im grünen Bereich. Die beiden WDR-Signale sind in Ordnung. Nur der rb sollte sich Gedanken machen, aber das ist nicht unser Problem.

Anika schreibt in dieser Abteilung ihre Bachelor-Arbeit und hat am selben Tag wie ich angefangen. Sie nervt. Sie hat keinen Plan. Sie hat außerdem einen ekeligen Akzent, den ich Richtung Ostdeutschland einordnen würde, vermischt mit einer unangenehmen Stimmlage. Sie klingt immer nölig und verzweifelt, dabei quietschig und weinerlich. Selbt ein "Guten Morgen!" klingt bei ihr schon so seltsam, dass man eher unwillig ist, einen guten Morgen zu erwarten (oder generell irgendetwas gutes), dass man sogar, wenn sich der Morgen unerwartet doch als ganz gut oder zumindest einigermaßen erträglich gestaltet, bisweilen ziemlich überrascht aus der Wäsche guckt.

Anikas Aufgabe: qPSNR, eine von einer münchener Firma entwickelte Methode, die Bildqualität ohne Original-Referenzbild zu ermitteln. Das q steht in diesem Fall für quasi. Das Gerät, das sowas kann, leiht sich der WDR extra für Anikas Arbeit für zwei Wochen.

Ein Foto von dieser spannenden Zauberbox und weitere lustige Technik-Geschichten gibts dann nächste Woche! *schnarch*

1 Kommentar 28.4.10 11:09, kommentieren