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Woche 5 - :D

Nachdem die vergangene Woche ziemlich ereignislos zu Ende gegangen ist, startet diese mit einer Sonntags-22-Uhr-Schicht. Wie es dazu kam:

Wir sitzen immernoch am Provence-Film. (Sendedatum übrigens irgendwann im Mai erst.) Uschi, Ralf und ich. Wir sind ein gutes Team, finde ich. Ralf nörgelt über die Kollegen, über den viel zu hochbezahlten Kameramann, über alles und jeden. Uschi nimmts mit Humor und schneidet. Übrigens: Uschis Lieblingsspruch: Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln. Mindestens 3 Mal am Tag. Immer, wenn Ralf irgendwas über den Haufen wirft, wovon er gestern noch überzeugt war. Ich sitz im Hintergrund und suche passende Musik, Atmos und Geräusche aus der rieeeeesigen WDR-Datenbank.

Ralf hat eine CD rausgesucht mit funkyger Musik drauf. Die will er für das Museum für moderne Kunst in Arles verwenden. Er meint, wir würden nie erraten, wer der Komponist ist. Er behält Recht, wir erraten es nicht. Es ist Stefan Raab, der 1993 eine grüne CD mit Funk-Musik veröffentlicht hat. "Get Ready" heißt das gute Stück. Ich rippe es mir natürlich sofort und die mp3s kommen in den nächsten Tagen auf den iPod, um nochmal genau reinzuhören. (Natürlich nur zu Recherche-Zwecken. Im Anschluss lösch ich die Tracks gleich wieder...)

In dieser Datenbank findet man ALLES.

Geräusche: Wir suchen ein grunzendes Schwein. Mindestens 20 Ergebnisse. Junge quiekende Schweine im Stall. Junge quiekende Schweine im Freien. Junge quiekende Schweine im Freien mit Vogelzwitschern im Hintergrund. Schwein einzeln grunzend im Stall. Schwein einzeln grunzend im Freien. Schwein frisst. Schwein frisst und Bauer brabbelt vor sich hin. Korpulierende Schweine im Matsch. Korpulierende Schweine im Heu. Und so weiter...

Musik: Ich hab aus Spaß mal ein bisschen nach Jazz gesucht. Es ist eine Goldgrube. Uralte Sachen auf Schallplatte, ganz neue Sachen auf CD und als mp3. Nicht umsonst haben die ganze Etagen voll mit Ton-Archiv-Material. Da wird sicher noch einiges den Weg auf meine Festplatte finden... Zu Recherchezwecken.

Wir sitzen da also, nichts böses ahnend, da ruft die Disposition an. Kurze Erklärung: Die Disposition, das wusste ich vorher nicht, disponiert, was, wie der Lateiner weiß, verwalten, zuweisen oder einteilen heißt. Die Damen der Disposition teilen also Cutter den Projekten zu und Räume den Cuttern. Auch für mich sind die Damen verantwortlich. Wenn ich also einen Anruf von denen bekomme, heißt es meist was gutes, nämlich, dass ich in eine coole neue Sendung komme. Auch diesmal, wie es scheint. Ich solle doch bitte mal ins Büro kommen, dann könnten wir das besprechen. Also hinterlasse ich Uschi und Ralf meine Umrisse in Form einer Staubwolke und fitsche ins Büro.

"Die Matthäuspassion wird am Sonntag in der Philharmonie mit 10 Kameras aufgezeichnet. Ab 22 Uhr müssen die Videos dann auf den Server gespielt werden. Wir benutzen dafür das EVS-System, das ist vielleicht ganz interessant für dich, wenn du dir das mal anschaust." - Also sage ich zu. 22-24 Uhr klingt nach einer entspannten Schicht. Vor allem, weil ich dann am nächsten Tag n bisschen später kommen darf.

Dann einen Tag später, noch ein Anruf. Nochmal die Bitte, ins Büro zu kommen. "Wir brauchen öfter Leute, die diese 22-Uhr-Schichten machen. Wann fährt denn deine letzte Bahn?" - "Um 0 Uhr." - "Und die erste morgens?" - "Ööööhm.... Um 5 oder so?" - "Gut, würdest du das vielleicht machen wollen? So eine Schicht geht von 22-6 Uhr, das wäre 1 oder 2 mal die Woche. Wir würden dann da auch ein bisschen in dich investieren und dich richtig in das System einweisen. Kannste dir ja mal überlegen..."

Es ist Sonntag, kurz vor 22 Uhr. Ich habe mich bereits in den Heiligen Gefilden eingefunden. In der Tasche ist auch ein Glas Würstchen, das ich überteuert am Hauptbahnhof gekauft hab, vorrausschauend, da ich ja noch den Wachhund würde überlisten müssen. Ich warte auf den über 10 Minuten verspäteten Niklas (Jaja, die Spätschicht), den ich heut bei seiner "Arbeit" begleiten soll. Kleiner Typ mit Mütze, dreckiger Pulli, Mundgeruch. Sofort vermisse ich Uschi. Trotzdem schaue ich ihm aufmerksam bei der Arbeit zu. Er hat zwei kleine blaue Koffer dabei, mit Festplatten drin. Er schließt die eine Festplatte an den PC an, startet den Kopiervorgang und kommentiert das ganze mit: "Ja. Das ist der Job. Mit Süßigkeiten und Laptop gut zu ertragen." Jetzt wird er zweieinhalb Stunden hier rumsitzen. Danach wird er die zweite Festplatte anschließen und weitere zweieinhalb Stunden Zeit totschlagen. Ohne mich. Es ist kurz vor 11. Ich gehe.

29.3.10 01:29

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