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Woche 6 - Zumindest kanns nicht schlimmer werden

Dienstag. Gut aus den Osterferien gekommen, hab ich heute einen Termin mit Stefan aus der Grafik-Abteilung. Er führt mich kurz herum. Wir kommen in ein riesiges Büro mit vielen tollen Mac-Arbeitsplätzen, hell scheint das Licht durch die Fenster, überall hängen schöne Poster an den Wänden. "So, das hier ist der interessante Teil, hier werden die ganzen Grafiken entworfen, hier arbeiten die Designer in einem wundervollen Klima und alles ist toll..." Juhu! Aber zu früh gefreut.

"... das ist wohl eher nicht der Bereich, in dem du arbeitest, für einen Techniker haben wir hier nichts zu tun." Wir gehen weiter, in einen abgedunkelten Raum mit vielen rauschenden Computern, es ist stickig, die Wände sind vergilbt braun, so wie der Teppich. "Und hier haben wir irgendwelche langweiligen Maschinen bla bla bla, hier wirst du dich wohl fühlen!"

Stefan führt mich weiter zu Bernd. Er ist Grafiker und der einzige in der Abteilung, der auch 3D-Effekte beherrscht. Er schüttet sich Kaffee in seine Tastatur, Stefan verschwindet. In den nächsten 20 Minuten entwickelt sich ein schleppendes Gespräch, während Bernd seine Tastatur auseinandernimmt und Taste für Taste reinigt. Dann zeigt er mir einige Animationen, die er für die Weihnachtszeit produziert hatte, mit Tannenbäumen und Schnee. Das sieht richtig gut aus. Das Fazit des Gesprächs ist jedoch, dass 3D zu teuer ist. Der WDR mag lieber 2D und daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Stefan kommt wieder. "Ja, vielen Dank, wir melden uns dann, wenn wir dich brauchen." ... Bitte nicht.

Mittwoch. Ich muss wohl in den letzten Tagen einen unzufriedenen Eindruck gemacht haben. In der Dispo sagt man mir, ich wär bestimmt froh, wenn ich mal was anderes sehen würde. Darum werd ich heute ins Colormatching gehen. Colormatching ist leider so langweilig wie nötig. Es gibt im gesamten WDR nur 3 Menschen, die diesen Job machen und nur einen einzigen Raum, der dafür ausgerüstet ist. Ein Typ sitzt den ganzen Tag in einem völlig dunklen Raum vor einem Monitor und hat drei Knöpfe vor sich: Einen für Rot, einen für Gelb und einen für Blau. Er schaut sich eine Szene an, da ist ein bisschen Blau zu wenig. Er mischt etwas mehr Blau ins Bild. Schnitt. In diesem Bild ist ein bisschen Blau zu wenig. Er mischt etwas Blau dazu. Schnitt. Das nächste Bild hat einen leichten Rotstich. Er nimmt etwas Rot raus. Schnitt...

Donnerstag. Ich gehe zur Disposition und bitte drum, wieder irgendeinem Cutter zuschauen zu dürfen. "Ja wie, ich dachte, Sie sind jetzt erstmal im Colormatching?!" - "Öhm, ja nee, das war auch total spannend und so, aber ich öhm würd doch lieber wieder in den Schnitt."

Wird gemacht. Ich sitze bei Astrid, einer älteren Cutterin. Sie macht keinen Hehl daraus, dass dies ihr letzter Schnitt ist und dass sie weder Bock hat, irgendwas zu lernen noch sich irgendwie Mühe zu geben.

Wir schneiden einen Film für 3sat. Demnächst findet in Köln die Musiktriennale statt, ein mehrwöchiges Musikfestival mit vielen Veranstaltungen. Das Eröffnungskonzert wird live auf 3sat übertragen und während der Pause soll statt Werbung ein Film laufen, der die Musiktriennale vorstellt. Diesen Film schneiden wir.

Astrid hat zu Beginn ihrer Karriere Negativfilm geschnitten. Ich stelle mir sie mit Schere und Klebeband vor. Voll digitaler Schnitt am PC fällt ihr sichtlich schwer. Sie ist furchtbar langsam, vor allem der Doppelklick macht ihr Probleme. Ich sitze nervös daneben.

Michael ist noch nervöser. Er ist der Autor, der sich diesen Film ausgedacht hat. Er ist vielleicht 3 Jahre älter als ich und hat auch an der FH Düsseldorf studiert. Wir unterhalten uns kurz über die Professoren und finden uns innerhalb weniger Sekunden unsympathisch. Er ist ein Nervenbündel, trommelt auf dem Tisch, wackelt mit dem Bein, rollt mit dem Stuhl hin und her. Meine unerschütterliche Ruhe erträgt er nicht.

Er weiß ganz genau, wie der Film aussehen soll. Er hat auch Erfahrung mit dem AVID-Schnittsystem, hätte den Film wahrscheinlich in wenigen Stunden fertig. Aber er genießt es, Astrid zu quälen. Und so sind 5 Tage für den Schnitt angesetzt, was schon sehr sehr knapp kalkuliert ist. Ich sitze daneben, bringe hin und wieder eine Idee ein, die von Michael sofort abgewesen wird. Außerdem komme ich immer ins Spiel, wenn wir Fotos von Michaels USB-Stick auf den PC kopieren müssen. Das kann Astrid nämlich nicht. Ist auch wirklich schwer.

Freitag.  Das gleiche. Nur dass ich an diesen Tag keine Erwartung hatte. Ich gehe wieder in die Disposition, bitte darum, etwas mehr zu tun zu bekommen. Man stellt mir in Aussicht, dass ich nächste Woche mit Petra schneiden werde. Sie sei auch eine Cutterin, die am AVID wohl "noch nicht sooo fit" ist... Eine neue Herausforderung?

15.4.10 22:34

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