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Woche 8 - TIM und Anika

TIM, diese drei Buchstaben stehen für Technologie- und InnovationsManagement, eine im Vergleich zum Schnitt winzige Abteilung im WDR, in die ich mich nun endlich gerettet habe. 8 Ingenieure untersuchen hier die Bild- und Tonqualität des WDR-Programms, testen neue Geräte und beurteilen innovative Produktionsformen und -wege und ihre Vor- und Nachteile. Und ich mittendrin.

Für die Qualität dieses Blogs bedeutet das leider nichts gutes. Zum einen sind alle Leute hier ganz normal: Nett, natürlich, intelligent. Keine Lästereien mehr, keine kleinen Macken, nichts unfreiwillig komisches. Abgesehen von einigen Frisuren gibts hier humormäßig nichts zu holen. Zum anderen: Womit ich mich hier beschäftige, ist trockenes Technik-Zeug. Niemanden interessiert das, nichtmal mich selbst.

Ein Beispiel: Ein besorgter WDR-Zuschauer hat die WDR-Hotline angerufen und sich beschwert, dass das WDR-Bild "irgendwie flau" ist. Das wurde direkt an unsere Abteilung weitergeleitet und wir sollen jetzt mal schauen, was denn da wirklich dran ist. Da haben wir uns erstmal gefragt, wie machen wir das? Jemand kam auf die Idee: Die Tagesschau wir auf ganz vielen Programmen ausgestrahlt. Wir nehmen die von jedem Programm einmal auf und vergleichen dann die Bildqualität mit PSNR*. Wenn der WDR wirklich schlechter aussieht als die anderen Programme, schaun wir weiter.

*PSNR: Den Peak-Signal-to-Noise-Ratio-Wert benutzt man, um messtechnisch die Bildqualität zu untersuchen. Vom original mit der Kamera aufgezeichneten bis zum ausgestrahlten Video auf den heimischen Fernsehern wird die Bildqualität durch Kompression, Codierung, Modulation, Übertragung, Störungen, Demodulation und Decodierung doch arg in Mitleidenschaft gezogen. Wenn man dieses End-Bild Pixel für Pixel mit dem Original-Bild vergleicht, entdeckt man mit etwas Glück doch noch die ein- oder andere Gemeinsamkeit. Das PSNR-Programm macht das automatisch: Es vergleicht zwei Video-Dateien Bild für Bild, Pixel für Pixel und spuckt am Ende einen Dezibel-Wert aus. 100 dB bedeutet, die zwei Videos sind völlig identisch, 0 dB bedeutet, es sind zwei gänzlich verschiedene Videos, ab einem Wert von etwa 30 dB sagt man, kann das menschliche Auge keine Unterschiede mehr entdecken. (Ich sag ja: Trockene Technik)

Der Praktikant findet heraus: Alles im grünen Bereich. Die beiden WDR-Signale sind in Ordnung. Nur der rb sollte sich Gedanken machen, aber das ist nicht unser Problem.

Anika schreibt in dieser Abteilung ihre Bachelor-Arbeit und hat am selben Tag wie ich angefangen. Sie nervt. Sie hat keinen Plan. Sie hat außerdem einen ekeligen Akzent, den ich Richtung Ostdeutschland einordnen würde, vermischt mit einer unangenehmen Stimmlage. Sie klingt immer nölig und verzweifelt, dabei quietschig und weinerlich. Selbt ein "Guten Morgen!" klingt bei ihr schon so seltsam, dass man eher unwillig ist, einen guten Morgen zu erwarten (oder generell irgendetwas gutes), dass man sogar, wenn sich der Morgen unerwartet doch als ganz gut oder zumindest einigermaßen erträglich gestaltet, bisweilen ziemlich überrascht aus der Wäsche guckt.

Anikas Aufgabe: qPSNR, eine von einer münchener Firma entwickelte Methode, die Bildqualität ohne Original-Referenzbild zu ermitteln. Das q steht in diesem Fall für quasi. Das Gerät, das sowas kann, leiht sich der WDR extra für Anikas Arbeit für zwei Wochen.

Ein Foto von dieser spannenden Zauberbox und weitere lustige Technik-Geschichten gibts dann nächste Woche! *schnarch*

28.4.10 11:09

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